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 Sohn Davids

 

Mit dieser Bezeichnung Jesu als „Sohn Davids“ sind wir heute sehr vertraut, nicht zuletzt aufgrund der jährlich zu Weihnachten gelesenen Lukaserzählung: Da machte sich auch auf Josef aus Galiläa in das jüdische Land zur Stadt Davids. Wir denken uns Jesus  als direkten Nachkommen Davids. Das wiederum geht auf die in Matthäus und Lukas überlieferten „Stammbäume“ zurück. Es handelt sich jedoch nicht um genealogische, sondern um theologische Stammbäume. Hier wird nichts erzählt, was sich durch Geburtsurkunden belegen ließe. Jesus ist nicht der Messias, weil er aus Bethlehem stammt und König David sein leiblicher Vorfahre ist, sondern umgekehrt: Weil seine Jünger in ihm den Messias sahen,   beschreiben sie ihn als „Sohn Davids“ und verlegen seinen Geburtsort nach Bethlehem:

– Bethlehem wird ausschließlich in den Prologen des Matthäus und des Lukas als Vaterstadt Jesu (als sein Geburtsort) genannt. Diese Prologe sind literarische Texte, die bildhaft und auf den Punkt gebracht ausdrücken wollen: Nazareth mag der reale Geburtsort Jesu sein, seines Wesens nach stammt er aus “Bethlehem”. Bethlehem steht für Davidsherrschaft und Ankunft des “endgültigen”, weil messianischem Königs. Jesus stammt aus “Bethlehem” heißt deshalb: Mit Jesus ist dieser “König aller Königreiche” gekommen.

Außerhalb dieser zwei Textstellen wird Bethlehem (im Gegensatz zu Nazareth) nie wieder mit Jesus in Verbindung gebracht. Selbst in den Evangelien von Matthäus und Lukas nicht. Vgl. dazu auch Joh7,41ff.: Hier kamen Jesu Anhänger sogar in Beweisnot, weil Jesus gerade nicht aus Bethlehem stammt!

– Matthäus und Lukas begründen die Geburt Jesu in Bethlehem in ihren Prologen unterschiedlich, abhängig von ihrer literarischen Intention. Matthäus beschreibt Bethlehem als ursprünglichen Wohnort der Heiligen Familie. Sie wohnt hier bis zur Flucht nach Ägypten. Anschließend trauen sie sich aus Angst vor Verfolgung nicht mehr ins jüdische Land zurück, sondern weichen nach Galiläa aus und nehmen in Nazareth Wohnung (Mt2, 9-23).

Lukas dagegen beschreibt Nazareth als ursprünglichen Wohnort. Durch die von Rom angeordnete Volkszählung erscheinen Maria und Josef in Bethlehem, weil jeder sich in seiner Vaterstadt registrieren lassen muss und Josef aus Bethlehem stammt. Ohne dass es explizit erwähnt wird, kehren Josef und Maria mit dem neugeborenen Kind Jesus nach Nazareth zurück. Aber: zur Zeit der Geburt Jesu hat es in Galiläa keine Volkszählung gegeben. Und in den römischen Volkszählungen war es zu keiner Zeit üblich und notwendig, sich in der Geburtsstadt des Familienoberhaupts registrieren zu lassen.

Bedenkt man, wie geläufig uns der Titel „Sohn Davids“ ist, überrascht der Befund, dass er im Neuen Testament kaum vorkommt. Markus führt ihn ein (Mk 10,47), indem er ihn dem Blinden Bartimäus in den Mund legt, den Jesus daraufhin heilt und der ihm dann nachfolgt. Die Heilung geschieht unmittelbar vor Jesu Einzug in Jerusalem, der „Davidsstadt“. Markus drückt damit aus, dass Jesus als Sohn Davids gekommen ist, „seine“ Stadt einzunehmen. Sowohl Matthäus als auch Lukas übernehmen den Markus-Text. Bei Markus und Lukas taucht der Titel dann nur noch in dem Streitgespräch mit den Schriftgelehrten auf (Mk 12,35). Markus macht hier deutlich, dass sein Christus nicht der Sohn, sondern eigentlich der Herr Davids ist.

Matthäus jedoch, dem daran gelegen ist, Jesus fest im Volk Israel zu verankern, benutzt den Begriff „Sohn Davids“ insgesamt acht Mal. An herausragender Stelle steht es gleich im ersten Satz (und Titel) des Matthäusevangeliums: Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams… Weder die anderen neutestamentlichen Schriften noch der Evangelist Johannes gebrauchen den Titel „Sohn Davids“. Er spielt also erst seit Markus und Matthäus, und nur bei ihnen, eine Rolle in der theologischen Auseinandersetzung. Paulus erwähnt Jesu Herkunft aus dem Geschlecht Davids nur in Rö 1,3, um seine irdische Herkunft abzuleiten, um sogleich anzufügen: machtvoll aufgrund der Auferstehung als Gottessohn eingesetzt. Ein sehr viel späterer Brief unter dem Namen von Paulus nimmt darauf Bezug: Jesus Christus, von den Toten auferweckt, der Spross Davids (2Tim 2,8).

 

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